Mein Lunes. Er hätte einen Nachruf verdient, der seinem unglaublichen Leben, seinem Charakter, seiner Tapferkeit und seiner Lebensfreude gerecht wird. Aber sein Tod reißt ein so großes Loch, dass ich nicht weiß, ob ich das hier hinkriege...Ich werde mich bemühen.
Vor ein bisschen mehr als 10 Jahren durfte ich mir einen Hund aussuchen. Ich hatte Angst davor, weil ich einen retten wollte und nicht sicher war, ob ich all die kummervollen Augen ertragen würde können, die mich aus dem Internet anschauen würden. Ich weiß bis heute, dass ich "Hunde in Not" eingegeben habe und sofort auf die Seite der Podenco-Hilfe Lanzarote kam. Ich wollte ganz schnell durchflitzen, um nicht beim Erstbesten hängenzubleiben - und ich kam bis zum Dritten. Da war er. MEIN Hund. Schwarz (das will keiner), groß (noch schlimmer) und eine etwas krasse Mischung: Staff mal Dogge. Er hat mit seinen Riesenpfoten die Gitterstäbe umarmt, sein Blick war herzzerreißend und ich war hin und weg. Also habe ich sofort dort angerufen und Lucia kennengelernt. In ihrer klaren Art hat sie mich auf den Boden der Tatsachen geholt und mir erklärt, dass Lunes in der Tötungsstation sei und sie nicht sicher wäre, ob er überhaupt noch leben würde. Die großen schwarzen Hunde hätten nicht lange, weil sie keiner will. Ich habe so gehofft und gebibbert, dass er noch da ist. Und dann kam der erlösende Anruf. Mein Lunes durfte leben.

Es hat noch eine Weile gedauert, bis wir einen Flugpaten gefunden haben und wir mussten ihn aus München holen, aber ich wäre bis ans Ende der Welt gefahren (Dschibuti habe ich zu Lucia gesagt). Ich war endlos aufgeregt während der Fahrt, und konnte mich nicht beherrschen ihn am Flughafen sofort aus seiner Transportbox zu holen. Und er hat mich umarmt. Wie man einen Menschen umarmt, den man nie mehr loslassen möchte. Er hat seine Pfoten um meinen Hals gelegt und sich an mich gepresst, da war alles klar. Wir würden uns nie wieder loslassen. Mein Hund. Oder ich sein Mensch. Egal.
In der nächsten Zeit hat er mich nicht aus den Augen gelassen - er wollte nie wieder irgendwo eingesperrt sein. Also ist er überall dabei gewesen, sogar in unserem winzigen Klo. Etwas eng, aber er war glücklich. Und ich auch.
Wir haben so viel zusammen erlebt und er war immer für mich da. Er hat mich getröstet, sich mit mir gefreut, den Kasperl gemacht und mich zum Lachen gebracht. Mama hat er geliebt und verfolgt, weil ich zu oft am Pferd saß - das Warten war ihm irgendwann langweilig. Er hat seine Familie (leider) sehr gewissenhaft verteidigt und ein paar Leute gezwickt, die seiner Meinung nach einem von uns zu nahe kamen. Jeder Fremde, der zu uns auf den Hof kam, musste die Hände hoch nehmen, dann hat er nur geknurrt und gebellt. Es war schon ziemlich komisch als Begrüßung "Hände hoch" zu rufen, während der riesige Hund mit aufgestellten Haaren auf die Leute zugestürmt ist. Aber dann war er friedlich, solange ihn keiner angreifen wollte. "Seine" Pferde wurden gegen den Tierarzt verteidigt und nachdem er ihn ein paar Mal in den Hintern gezwickt hat, wurde er immer an die Leine genommen oder musste in der Küche bleiben. Das fand er weniger witzig. Bei uns war er der liebste, schmusigste Kerl, den man sich vorstellen kann.
Er hat lange gegen den Knochenkrebs gekämpft und ist 3-beinig gelaufen, so gut es eben ging. 6 Monate länger, als alle gedacht haben. Nur weil er so tapfer war. Nach seiner Diagnose bin ich jede Nacht aufgestanden und ihn streicheln gegangen. Luni hat überhaupt nicht verstanden, warum ich ihn da antropfen komme und seinen Schlaf störe...
Es war eine lange Zeit um Abschied zu nehmen, leichter war es trotzdem nicht. Den richtigen Moment zu finden, um diesen besten aller Freunde gehen zu lassen, ist unheimlich schwer und ich habe mehrere Termine abgesagt, es immer nochmal verschoben. Einmal hab ich meinen Tierarzt sogar wieder weggeschickt, weil Luni aus seiner Lethargie erwacht ist, sobald er ihn entdeckt hat. Der hat nur gelacht, auf den bellenden, knurrenden Hund geschaut und gemeint: "Heute ist es noch nicht so weit." Aber leider war es das dann irgendwann doch. Und für mich kam die schwerste Entscheidung meines Lebens.
Mein Bär fehlt mir unendlich. Er war ein so großer Teil von mir und hat ein ganzes Stück mitgenommen. Jetzt ruht er im Garten hinter dem Haus, ganz in unserer Nähe. Denn da wollte er immer sein: Bei seinen Menschen, die er bedingungslos geliebt hat...Und die ihn nie vergessen werden.
Lunes Jänner 2010 - 18. Mai 2020